Modifiziertes Autogenes Training nach Erwin Kusche

Diese Methode baut auf dem Autogenen Training nach dem Psychiater J.H. Schultz auf und schließt die körperlichen Bereiche, die behandelt werden sollen, in dem Modifizierten Autogenen Training mit ein.

Entwickelt und erstmals erfolgreich angewandt habe ich diese Methode 2009 bei Patienten mit Phantomschmerzen, bei denen eine deutliche Schmerzreduzierung erreicht wurde, die sich bei weiterem Üben dauerhaft stabilisierte.

Die Behandlungsform habe ich im weiteren Verlauf auch bei anderen schmerzhaften Beschwerden angewandt, und auch hier zeigten sich signifikante Besserungen. Dauer dieser speziellen Behandlungseinheit: ca. 35 bis 45 Minuten mit anschließender Nachbesprechung.

Bei diesem Verfahren, wie auch bei dem Imaginativen Resonanz Training, handelt es sich um eine ursachenbezogene Behandlung, die im Gehirn neuroplastische Veränderungen bewirkt und eine Reorganisation in den betreffenden Gehirnarealen herbeiführt.

Diese – durch die beiden Verfahren – hervorgerufene selbstinduzierte Neuroplastizität stellt aus meiner Sicht bei den imaginativen Techniken den aktuellen wissenschaftlichen Stand dar, der die Erkenntnisse der ursachenspezifischen Behandlung in die praktische tägliche psychotherapeutische und schmerztherapeutische Arbeit einfließen lässt.


Erfolgreiche Behandlung von chronischen Phantomschmerzen mit dem
„Modifizierten Autogenen Training“ (MAT)

Meine Promotionsarbeit (5 Jahre) an der Wolfgang Goethe Universität Frankfurt fand ihren Abschluss im Oktober 2013.

Die in meiner Doktorarbeit erwähnte altbewährte Methode des Autogenen Trainings nach J.H. Schultz wurde von mir eigens für Patienten mit chronischen Phantomschmerzen modifiziert und fand erstmals an beinamputierten Probanden mit deutlichem Erfolg statt. Dieses „Modifizierte Autogene Training" zeigte im Ergebnis eine deutliche Schmerzreduktion und eine deutlich geringere Anfallshäufigkeit der Phantomschmerzen. Zwei Probanden üben seit
5 Jahren regelmäßig – fast täglich – weiter.

Die fünf Jahres-Katamnese ergab bei einer Probandin eine weiterhin stabile Schmerzreduzierung, die durch die regelmäßige Übungs-Anwendung des „Modifizierten Autogenen Trainings“ auf fast Null gesunken ist. Die Probanden, die jahrelang an Phantomschmerzen gelitten haben, wurden in einer Gruppenbehandlung zehn Mal mit dem „Modifizierten Autogenen Training“ behandelt / therapiert.

Anwendung der Methode:

Bei meiner Methode habe ich auf der altbewährten Methode des Autogenen Trainings nach J.H. Schultz aufgebaut. Die Wirkweise des Autogenen Trainings nach Schultz wurde unter anderem in dem Standardwerk von Günter Schiepek, Neurobiologie der Psychotherapie, 2. Auflage 2009, im Schattauer Verlag ausführlich dargestellt.

Ich habe mich in meiner Behandlungsmethode des Autogenen Trainings auf die Schwere- und Wärmeübungen konzentriert, habe aber das amputierte Bein (= Phantomglied) bewusst vollständig mit in das Autogene Trainings-Übungsprogramm integriert. Zusätzlich habe ich die jeweiligen amputierten Gliedmaße ebenfalls aktiv in die jeweiligen Übungen einbezogen und angesprochen –
so, als wäre das amputierte Bein noch vollständig da und real vorhanden.

Diese Übungsform habe ich auch gleichsam mit dem noch real vorhandenem Bein durchgeführt, das heißt, auch hier die Gliedmaße aktiv angesprochen. Ein Proband, beidseits oberschenkelamputiert, erhielt ebenfalls eine Behandlung mit dem „Modifizierten Autogenen Training“ mit Erfolg.

Um das Einüben zu erleichtern, wurde
zuerst mit dem gesunden Bein begonnen und die gespürten Effekte von Schwere und Wärme besprochen. Die Zeitdauer meiner entwickelten Übungsform, die mehrfach wiederholt wurde, dauert ca. 45 Minuten. Um einen positiven Veränderungseffekt zu erreichen, ist es aber – nach Überlegung des Entwicklers – notwendig, einige Rahmenbedingungen / Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung einzuhalten. Die motivierten Teilnehmer haben die Anweisung bekommen, keine Aufzeichnungen zu machen, damit die volle Konzentration zu 100% auf diese Übungseinheiten gelegt werden. Weiter wurden die Teilnehmer aufgefordert zu Hause zu üben. Dies dauerte laut Angaben der Probanden ca. 15 Minuten täglich.

Meinem Vorgehen liegt folgende Hypothese zu Grunde:

Mit dem „Modifizierten Autogenen Training“ habe ich zehn Sitzungen gezielt die
topographisch zugeordneten Hirnareale in einer bestimmten Sequenz angesprochen. Diese Aktivierung konnte durch die nicht mehr vorhandenen amputierten Gliedmaße über Jahre nicht mehr stattfinden. Durch das „Modifizierte Autogene Trainings“-System (MATS) wurde über das Netzwerk des Autonomen Nervensystems die Reaktivierung des topographischen Hirnareals eingeleitet.

Meine These ist:

Durch diese Form des „Modifizierten Autogenen Trainings“ ist es mir gelungen, die eingewanderten, angrenzenden Hirnareale aus dem „topographischen Niemandsland“ der prämotorischen, motorischen und sensomotorischen Hirnarealen wieder hinaus zu drängen. Durch diese neuroplastische Wiederaktivierung und Entfaltung / Erstarkung, der dem früheren Gliedmaß (vor der Amputation) zugeordneten Areal, hat sich durch das Erlernen differenzierter Zugangskanäle ein vor der Amputation bestehendes topographisches Netzwerk weitgehend wieder reorganisiert.

Der Erfolg dieser neuroplastischen Veränderung zeigt sich in der deutlichen Schmerzreduzierung, die fast einer Schmerzelimination entspricht. Durch diese entwickelte Form des „Modifizierten Autogenen Trainings“ wurde und wird eine neuroplastische Veränderung bestimmter Gehirnareale induziert.

Bei diesem Veränderungsprozess dieser speziellen Schmerzreduktion handelt es sich um ein hochkomplexes Interaktionsmodell, induziert über den Alphazustand, der über das Netzwerk des Autonomen Nervensystems eine heilende Wirkung entfaltet. Hier muss meines Erachtens weiter geforscht werden.

Letztlich steht dieses Interaktionsmuster für einen Bruchteil der Vielfalt der neuronalen Verschaltungen, die sich im Gehirn abspielen. Ich kann für mich in Anspruch nehmen, hier
ursachenspezifisch eine neue mögliche Behandlungstür zur Schmerzreduktion aufgestoßen zu haben. Weitere Forschung ist notwendig, da das MAT erst einen Anfang darstellt.